Gehässig gesagt, Italien ist langweilig und bieder  

 

Der kleine, faule Italiener ist tot. Er sitzt nicht mehr über der roten La Gazzetta dello Sport in Tonis verräucherten Bar und nippt zur besten Arbeitszeit, einen Espresso.

Der Giovanni von heute ist frisch rasiert und rastlos. Mit Handy und Laptop bewaffnet ist es zum Weltmann mutiert. Die legendären Sonnenuntergänge unter den Klängen von La Paloma sind den meisten Italienern fremd geworden. Von den guten alten Zeiten erfahren sie manches mal spätabends beim Chianti von den Ur-Urlaubern aus Germania.

Die schönen Senoras tragen schwarze Ränder unter ihnen wunderhübschen Augen. Der Wandel im Handel verlangt Ihnen alles ab. Ladenöffnungszeiten bis kurz vor dem Hahnekrähen rauben den „La Grande Bellezza“ ein großes Stück Lebenszeit und Freude. Dabei scheint die Sonne doch auch für sie und nicht nur für nimmersatte Nachtschwärmer.

Nur wer einen tiefer Lungenzug mit der echten „Nationali“ überstand, war früher ein richtiger Mann. Nun hat der filterlose Lungentorpedo selbst hart zu kämpfen. Den Rauchern geht es in „Bella Italia“ böse an den Kragen.

Immer neue EU Verordnungen machen auch vor dem Lande am Stiefels Europas nicht halt. Müllberge a la Neapel gibt es zumindest im Norden des Landes nicht. Man trennt inzwischen seinen Müll penibelst nach den großen Vorbildern jenseits der Alpen.

   Bella Italia    Bella Italia

 

Hatte man früher immer die verwegene Fahrweise der Fiatflitzer heimlich bewundert, ist es heute nur noch ein laues Lüftchen was aus den Abarthröhren des Auspuffes entweicht.  Noch immer dröhnt dem Schreiber dieser Zeilen das Fluchen deutscher Ordnungsfanatiker in den Ohren, wenn kurz vor einer Kurve noch ein blitzschneller Alfa vorbeigeflogen kam.

Und dort wo einst grimmige und wild fuchtelnder Carabinieris die Straße beherrschten, behindern heute massenweise rote, blaue und graue Radarkisten einen fließenden Verkehr.

Besonders ärgerlich ist aber für Touristen die italienische Pünktlichkeit. Man ist schon ganz schön verwundert, wenn man zwei Minuten zu spät an die Bushaltestelle kommt. Der Bus ist nämlich garantiert weg. Im neuen Italien fährt man nach Fahrplan.

Nur eines haben sich die lieben Freunde jenseits der großen Berge nicht nehmen lassen. Die Liebe zum richtig guten „Mangiare“ ist bis heute geblieben. Und so soll es auch bleiben.

Behütet die Geheimnisse von Pizza und Pasta und lasst auch niemanden wissen, wie man ein einen richtigen Espresso und ein wunderbares Gelato zaubert.

Hütet Euch vor den Rattenfängern der „Mac´s“ und „Burger`s“ und glaubt ihnen nicht, dass man auch anders und leichter kochen und Geld verdienen kann. Vergewaltigt nicht Eure traditionelle Esskultur.

 

Ciao bella Italia,

wir lieben Euch, Ihr seid großartig.

 

Hans Pertsch, Gardasee, Italien im Oktober 2015

 

 Bella Italia